Versöhnung
Tyske soldater velkommen!
Fallschirmjäger in Nord-Norwegen

Der Deutsche Fallschirmjäger
Ausgabe 04/2020
Artikel aus „Der Deutsche Fallschirmjäger“ 04/2020
Vor 30 Jahren:
Der Einsatz des verstärkten Fallschirmjägerbataillons 253 in Nord-Norwegen
„Tyske soldater velkommen“ waren die fett gedruckten Schlagzeilen der norwegischen Presse Mitte Februar 1990. Die Fallschirmjäger des verstärkten Fallschirmjägerbataillons 253, die am Donnerstag, 15. Februar 1990, jenseits des Polarkreises im Raum Bardufoss aus zwei Transportflugzeugen C-160 in die verschneite Landschaft sprangen, kannten diese Schlagzeilen noch nicht.
Von der norwegischen Presse zum Westdeutschen Rundfunk nach Köln: Dieser sendete wenige Tage später in seinen Fernsehnachrichten einige Bildsequenzen, in denen Wehrmachtssoldaten im April 1940 in Oslo einmarschieren, gefolgt von Soldaten der 3./FschJgBtl 253, die im Raum Bardufoss Skilanglauf trainieren. Der WDR-Sprecher verkündete dem deutschen Nachrichten-Konsumenten, pünktlich zum 50. Jahrestag der Besetzung Norwegens durch die Wehrmacht seien nun wieder deutsche Soldaten auf norwegischem Boden.
In diesem öffentlichen politischen Spannungsfeld vollzog sich der in zehn Monaten mühsam vorbereitete erste Einsatz von Kampftruppen der Bundeswehr in Norwegen nach dem II. Weltkrieg. Der Fallschirmjägersoldat bekam davon zunächst nichts mit. Seine Sorge war, der arktischen Kälte, die er zum ersten Mal erleben sollte, zu trotzen. Dies sollte ihm auch gelingen. Denn in Vorbereitung auf diesen Einsatz als Nordkontingent der AMF(L) (Allied Mobile Force – Land) hatte die Bundeswehr für zwei Millionen D-Mark überwiegend in Kanada Winterkampfausrüstung gekauft: Wärmende Stiefel, Tarnuniformen, Spezialschlafsäcke und -unterwäsche, ferner Schneeschuhe. Für die Beweglichkeit im Gefecht wurden für weitere 16 Millionen D-Mark in Schweden 47 Überschnee-Fahrzeuge Hägglund BV 206 gekauft, wovon 28 Stück dem Bataillon 253 zugewiesen wurden.
Damit sind wir bei der vorbereitenden Ausbildung, für die ein knappes Jahr zur Verfügung stand und für die das Wetter unvorteilhaft blieb, bis zum letzten Tag, bis zur Rückkehr aus Norwegen, sowohl für Mensch als auch für Material. Kurz gesagt, es fehlte der Schnee, eigentlich bis zum Fallschirmsprung am 15. Februar.
In Vorbereitung auf den AMF-Einsatz nahmen Kommandeur und Teile der 3. Kompanie 1989 an der AMF-Übung „Armada Exchange“ des Südkontingentes (FschJgBtl 262 in Merzig) in Italien teil, entlang des Flusses Tagliamento in Friaul, einer der letzten bedeutenden Wildflüsse der Alpen. In der Vorbereitungsphase der Übung wurde u.a. Fallschirmsprungdienst durchgeführt, die Führer machten sich mit den Verfahrensabläufen der AMF-Komponente vertraut. Eine Besonderheit: Der Rücktransport mit Eisenbahn ging von Italien über Frankreich nach Bruchsal. Die Neutralität Österreichs und der Schweiz musste respektiert werden.

Wappen Allied Mobile Force

C-160 Transall
Absetzen FschJgBtl 253 in Norwegen
Bild: Olaf Kellerhoff
Einige Führer unterzogen sich einer arktischen Winterkampfausbildung in Kanada, die 3. Kompanie verlegte in die Alpen an die österreichische Grenze und fuhr täglich zur Skiausbildung mit zivilen Bussen hinüber zu den alpinen schneebedeckten Hängen. Die Fahrer der BV 206 mussten nach Ulm zur Panzer-Fahrschule, denn das schwedische Überschnee-Fahrzeug ist – so sein schwedischer Name „bandvaggen“ – ein Kettenfahrzeug (erst später wurde dann eine einfachere Lösung im Brigade-Rahmen verfügt). Es sei aber eines vermerkt: Die noch auf Kampfpanzer Leopard geschulten Fahrer fuhren souverän in der arktischen Schneelandschaft, als ob sie in der norwegischen Finnmark aufgewachsen wären.
Den geschichtsträchtigen 9. November 1989 verbrachten der Kommandeur und einige Kompaniechefs mit Erkundung in Bardufoss, sodass sie die Öffnung der Berliner Mauer nur spärlich und aus der Distanz mitbekamen. Nach dem Rückflug traf man dann aber auf den Bahnsteigen in Hannover die ersten mitteilsamen Neubürger aus Ost-Berlin.
Zur Truppenausbildung kam noch die politische Bildung hinzu, angereichert durch Landeskunde und Geschichte, vor allem die unselige Zeit der Besetzung Norwegens durch die Wehrmacht, über die sich der Geschichtsunterricht der deutschen Schule ausschweigt, wie unsere Wehrpflichtigen mehrfach bekundeten.
Am 21. November 1989 besuchte der Botschafter des Königreichs Norwegen in Bonn den Standort Nagold, um sich über das Fallschirmjägerbataillon 253 zu informieren. Seine Exzellenz, Botschafter Per Martin Olberg, hieß das Bataillon in Norwegen willkommen und wünschte den Soldaten viel Glück.
Das hatten wir dann auch! Der Gefreite Michael Löb hing nach dem Absetzen mit Fallschirm 21 Minuten außen an der Maschine bei 15 Grad minus Außentemperatur in 280 Meter Höhe bei einer Absetzgeschwindigkeit von 240 km/h. Er hatte geringe Erfrierungen an den Händen, denn er hatte seine Handschuhe verloren, die dicken kanadischen Überhandschuhe, mit denen man keine Zigarette halten konnte. Nach kurzem Aufenthalt im warmen Sanitätszelt der 2./SanLehrBtl 851 aus München, die schon seit Jahren zum AMF-Kontingent gehört, nahm er an der Übung teil.
Was war geschehen?
Zwei Transall verlegten im Fallschirmsprung nach Bardufoss, Start vom Fliegerhorst Leipheim, Zwischenlandung in Kiel, Weiterflug nach Norden. Zwei Stunden vor ToT (Time over Target = Eintreffzeit über dem Ziel) begannen die Soldaten mit dem Anlegen der Fall-schirme und des Gepäcks. Pünktlich um 10.00 Uhr Ortszeit schwebten die Maschinen von See her kommend in West-Ost-Richtung auf den Absetzplatz ein, ein ebenes, offenes, schneebedecktes, 400 m über Meer gelegenes Höhengelände. Am Boden waren das Absetz-platzkommando, die ELG, Journalisten aus zwölf Nationen und einige Rentiere. Die Windspringer wurden abgesetzt, perfekt! Im zweiten Anflug sprangen die äußeren Sprungreihen, ein harmonisches Bild am klaren Himmel.
Plötzlich Alarm!
Ein Springer war hängen geblieben! Befehl Kommandeur: „Springen einstellen! Springer einziehen!“ Sogleich wurde der Rettungshubschrauber vom Absetzplatz zum nahe gelegenen Flugplatz Bardufoss befohlen. Die Bilder gingen durch die Welt, die anwesende Presse, dabei auch die Nagolder, hatte ihre Sensation. Der Gefreite Michael Löb – linke Türe, äußere Sprungreihe, es war sein sechster Sprung, also der erste in einer Übung – war mit der Ablassleine des Sprunggepäcks am letzten Klappsitz vor der Springertür hängen geblieben. Das Hereinziehen mit der Winde wird von den Absetzern regelmäßig geübt. Jetzt, wo es Ernst war, klappte es nicht, die Winde war de-fekt. Die Absetzer wussten sich zu helfen. Sie bauten die Winde aus und installierten die der rechten Türe. Das Hereinziehen klappte immer noch nicht. Der Soldat hing in einem derart unvorteilhaften Winkel hart unter der Türe, sodass das Kräfteparallelogramm versagte; hierzu war die Winde nicht gebaut worden. Die Absetzer wussten sich erneut zu helfen. Die noch verbliebenen und eigent-lich absetzbereiten 24 Fallschirmjäger der inneren Sprungreihen legten ihr Gepäck und den Fallschirm ab und zogen ihren Kameraden herein, gegen die Physik von 240 km/h Geschwindigkeit plus die 130 kg des voll ausgerüsteten Fallschirmjägers.

Springer hängt an C-160 Transall
Bild: Olaf Kellerhoff
Die Maschine landete nach zehn Flugminuten auf dem Flugfeld Bardufoss, Kamerad Löb, mittlerweile ohne Bewusstsein, wurde mit dem bereits dort wartenden Rettungshubschrauber ins deutsche Feldlazarett geflogen. Als er aufwachte, blickte er in die Augen der Sanitäter, schaute in die Kameras der Journalisten und fragte: „Wann kann ich wieder springen?“ Die Glückwünsche des Herrn Botschafters hatten geholfen.
Nun galt es, den Kommandeur 1. LLDiv in Bruchsal zu informieren, ehe er das Drama abends im Fernsehen sehen würde; ferner natürlich den Kommandeur AMF(L), BrigGen Peter H. Carstens, mit dessen Person erstmalig ein deutscher General an der Spitze der AM-F (L) stand. Er war auf Skiern in der Loipe, denn gleichzeitig fand eine Art Biathlon-Wettbewerb statt, bei dem die Soldaten der 3. Kp hinter den britischen Berufssoldaten den zweiten Platz belegten. Auch hierfür hatten die überwiegend wehrpflichtigen Soldaten (damals noch W 15) in Nagold fleißig trainiert.
Nun war das deutsche Kontingent in ganz Norwegen bekannt, auch der Gefreite Löb aus dem Raum Heidelberg, der übrigens zur Verstärkungskompanie des Schwester-Bataillons 252 gehörte. Er bekam sogar Briefe aus der norwegischen Öffentlichkeit, wohl eher von jungen Norwegerinnen. Insgesamt entstand wohl so im ganzen Land eine Art Mitleidshaltung gegenüber dem deutschen Kontingent.

Feldlager FschJgBtl 253 Norwegen
Bild: Olaf Kellerhoff
Zurück zur Ausbildung im Standort Nagold. Durch Initiative des BrigKdr LLBrig 25 besuchte auch der Königlich Norwegische Generalkonsul aus Stuttgart das Fallschirmjägerbataillon 253, unter-richtete über Land und Leute in Norwegen und informierte sich seinerseits über das Bataillon. Er bot auch Sprachausbildung an, die eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter seines Konsulats über einige Wochen hinweg in Nagold durchführten, was auch hilfreich war. Der Feldkanonenzug der 5. Kompanie unter Führung von HptFw Hingst hatte im Einsatzraum Hinterhangstellungen im Zuge einer West-Ost-Straße bezogen, die eng an ein einsames Gehöft angelehnt waren. Die Feldkanonen-Soldaten waren mehrfach Gäste bei der norwegischen Familie. Da war es sicher hilfreich sagen zu können „Jeg skonner ikke“ oder auch nur „God kveld“ („Ich verstehe nicht“ bzw. „Guten Abend“).
Im Januar 1990 organisierte das Fallschirmjägerbataillon 253 einen Pressetag und führte u.a. die neu erhaltene Winter-Ausrüstung vor, BV 206 und Fallschirmjäger im Schneetarnkleid auf grüner schwäbischer Wiese. Das Wetter machte eben nicht mit. Unsere Soldaten waren die Stars, sie mussten einige Interviews insbesondere den norwegischen Journalisten geben, vor allem unmittelbar nach Landung mit dem Fallschirm.
Der deutsche Verteidigungsattaché aus Oslo reiste an und berichtete über Land und Leute, vor allem aber über die Einstellung norwegischer Bürger zu Deutschland und den Deutschen. Es lebten ja noch Norweger, die den Rückzug der Wehrmacht mit der Strategie der „Verbrannten Erde“ grausam miterlebt hatten; und gar mancher Norweger kannte wohl eines der mindestens 12.000, wenn nicht gar bis zu 40.000 unehelichen Kinder deutscher Soldaten, die die Erinnerung wach werden ließen und deren soziale Aufarbeitung norwegischerseits damals noch nicht abgeschlossen war. Eine Abordnung des Bataillons besuchte ein Heim dieser neben der Gesellschaft stehenden Menschen (eine Sängerin der Abba-Gruppe, Anni-Frid „Frida“ Lyngstad, war Teil dieser sozial Benachteiligten und war daher nach Schweden ausgereist, um sich frei verwirklichen zu können).
Ein ehemaliger Brigadekommandeur der GebJgBrig 23 aus Mittenwald berichtete im Rahmen der Führerausbildung über seine Erfahrung im arktischen Winterkampf unter Kriegsbedingungen und schilderte dabei auch die Natur jenseits des Polarkreises. Zudem konnten aus seinem ehemaligen Wirkungskreis einige Heeresbergführer als Verstärkung gewonnen werden, die Bataillons-intern als Feuerwehr gedacht waren. Sie kamen nicht zum Einsatz, ihr Rat war aber immer gefragt; es war beruhigend zu wissen, dass sie da waren, fern der Heimat, fern der Zivilisation, bereit mit ihren Fertigkeiten und Fähigkeiten zu helfen.
Das Fallschirmjägerbataillon 253 hatte eine Friedensstärke von 499 Soldaten. Eine Kompanie musste durch das Schwester-Bataillon 252 ersetzt werden, da der Ausbildungsstand einer Kompanie systembedingt noch nicht so weit war. Um im Gefecht bestehen zu können, benötigt man Steilfeuer, folglich kam ein LLMrsZg (47 Mörser-Soldaten) hinzu. Das DivKdo 1. LLDiv verstärkte die Artillerie-Kapazität mit der LLArtBttr 9 aus Philippsburg mit ihren sechs Gebirgshaubitzen 105 mm. Man benötigte Geländeverstärkung, es kam ein LLPiZg dazu. Um in der arktischen Kälte die Kampfkraft zu erhalten, darf die sanitätsdienstliche Vorsorge und Fürsorge nicht erlahmen, die Sanitätsgruppe wurde folglich verstärkt. Dazu sprach man natürlich das aktive MobErgänzungspersonal an; das war natürlich die perfekte Möglichkeit, um dieses Personal noch enger an den Verband zu binden. Und schließlich benötigte man zahlreichere Fernmeldeverbindungskommandos für sichere Verbindungen, nicht nur die gefechtsmäßigen, auch für die in die Heimat (die Verbindung mit GenMaj Bernhardt in Bruchsal aus dem Verfü-gungsraum heraus kam nach knapp 15 Minuten zustande, mit feldmäßigen Mitteln).
Folglich wurden noch Fernmeldesoldaten von der NATO Composite Force, einem FeldArtBtl aus Lingen, erbeten, die ebenfalls eine Einsatzoption in Norwegen hatten. Nicht zu vergessen die Schiedsrichter, Führer des Schwester-Bataillons 252, somit unser eigen Fleisch und Blut. Damit kam das Bataillon auf eine Einsatzstärke von 644 Soldaten.
Im Einsatzland kam dann noch Major d. R. Erik Lindquister als norwegischer Verbindungsoffizier hinzu. Er war Rektor einer örtlichen Schule und Reserveoffizier. Mit seiner Hilfe wurden in der Eingewöhnungsphase Schulklassen besucht, und diese besuchten uns im Verfügungsraum, ein Antrittsbesuch beim örtlichen Bürgermeister erfolgte, der mit seiner Aussage, wir sehen die Soldaten lieber kommen als gehen, überraschte. Wohl 40 Prozent der 7.500 Einwohner zählenden Region Troms mit 3.300 Qua-dratkilometer Fläche sollen von den Aktivitäten der Streitkräfte aus Norwegen und anderen NATO-Staaten abhängen.
Das verstärkte Fallschirmjägerbataillon 253 war am Wochenende 17./18. Februar vollständig versammelt, die Fahrzeuge aus den Schiffstransporten konnten nun übernommen, ferner die Verbindung zu den alliierten Verbänden hergestellt werden. (Wetterbedingt konnten nicht alle pünktlich eintreffen. Das kanadische Kontingent saß z. B. in Thule, in Grönland, fest.)
Dank des Gefreiten Löb waren wir nun in ganz Norwegen bekannt, was wohl auch dazu führte, dass wir spät abends eine Bombendrohung erhielten. Wir evakuierten das Lager und warteten außerhalb die Detonationszeit ab und genossen dabei das phantastische Polar-Lichtspiel am nächtlichen Himmel.
In der AMF-Familie sind repräsentative Einladungen üblich, hier tat sich die Feldküche mit schwäbischen Spätzle hervor, wie es überhaupt keine Klagen über das Essen gab. Kälte macht hungrig, und alle wurden satt.
Der hochrangigste Besucher in der Eingewöhnungsphase war der Stellvertretende Befehlshaber der NATO aus Brüssel (DSACEUR), Luftwaffen-General Eberhard Eimler. Sein Besuch war wunderbarerweise unaufgeregt, ganz im Gegensatz zur Dienstaufsicht zu Hause im Standort. Lagevortrag, Mittagessen, Kaffee mit anregenden Gesprächen und – ganz wichtig – einen Ausflug mit BV 206 ganz alleine mit dem Kommandeursfahrer, dem OGefr Posch, in die menschenleere verschneite Landschaft hinein.
In der Woche ab 19. Februar kam dann die Alarmierung. Die Verbände bezogen ihre Verteidigungsräume und stellten die Verteidigungsbereitschaft her. Nun wartete man auf den Feind. Etwas langweilig zunächst.
Die Phase der Eingewöhnung war spannender und abwechslungsreicher, brachte sie doch auch die Verbindung zur einheimischen Bevölkerung, begrenzt auch zu den alliierten Kameraden. Das gab aber den Führern die Zeit und die Ruhe, um Kälteschutz, Stellungen und Waffenwirkung zu überprüfen. In den dortigen dichten Birkenwäldern war die weitreichende Panzerab-wehrwaffe TOW nicht so ideal. Die Feldkanone wurde mehr geschätzt, das lafettierte Maschinengewehr sowieso.
Es gab örtliche Feindberührungen. Bis auf das deutsche Kontingent mussten alle AMF-Teile zeitlich und örtlich begrenzt eine Feindrolle übernehmen. („Leitungstruppe Rot“!). Eine feindliche Aufklärungsgruppe, gestellt durch britische Marineinfanterie, konnte beim LLMrsZug einsickern, Teile des Zuges entwaffnen und gefangen nehmen. Die britischen Berufssoldaten haben ihr Handwerk verstanden.
Nach fünf Tagen Gefecht, in dem die Fallschirmjäger ihren Auftrag erfüllten und der arktischen Kälte solide widerstanden, galt es, die Verlegefähigkeit herzustellen. Zunächst sei aber gesagt, dass es wärmer war als erwartet. Wir hatten bis zu 30 Grad minus erwar-tet, so kalt war es dann doch nicht. Aber auch 15 bis 20 Grad sind beeindruckend, wenn man sich den gesamten Tag im Freien aufhält. Hinzu kommt ja noch, dass die Fahrzeuge der Bundeswehr üblicherweise mit Diesel fahren. Wir hatten aber mit „Winterdiesel“ vorgesorgt. Dies musste man bisweilen auch am Heimatstandort Nagold. Die Verlegefähigkeit war viel Arbeit, jedes Fahrzeug ging aufs Schiff.
Das Fallschirmjägerbataillon verlegte am Rosenmontag, 26. Februar 1990, mit Transall-Transportflugzeugen nach Deutschland zurück. Düsseldorf war als Landeplatz vorgesehen. Hauptmann Birnbaum, S 1 des Bataillons und Nachkommando-Führer, wartete dort mit zivilen Bussen. Wir hatten wieder Glück. Der Orkan Vivian tobte in Mitteleuropa. Die Maschinen waren über Norddeutschland hinweg von Böen gepeitscht Richtung Düsseldorf geschaukelt. Der Pilot beruhigte die Soldaten mit dem Verweis auf Rosenmontag. Hier in Düsseldorf sei es Pflicht zu schunkeln, wir machen einfach mit. Nicht jeder hatte wohl diesen Humor registriert. Die Soldaten waren todmüde, sie schliefen, der Orkan war ihnen egal.
Als der S1-Offz seine Männer sah, war er glücklich. Er sagte, es sei erwogen worden, aus Wettergründen nach Nürnberg oder Marseille auszuweichen; und wie wir später der Zeitung entnahmen, war der Karnevalsumzug in Düsseldorf wegen des Orkans Vivian abgesagt worden. Die Soldaten des Fallschirmjägerbataillons waren folglich die einzigen, die in Düsseldorf traditionsgemäß schunkelten.
Vivian ließ aber auch die Schiffstransporte auf der Nordsee schunkeln. Als wohl 14 Tage später die Fahrzeuge entladen wurden, waren nicht unerhebliche Schäden festzustellen, an denen noch Wochen gearbeitet werden musste. Die Instandsetzungssoldaten vergaßen Norwegen nicht so rasch.
Was ist geblieben?
Nach dem Mauerfall kam die Entspannung, von jedermann begrüßt. Die AMF-Komponente wurde politisch begraben. Aber etwas Gutes kommt wieder, sagt der Volksmund. Jetzt haben wir Enhanced Forward Presence. Die Bundeswehr muss wiederum Flagge zeigen außerhalb der Bundesrepublik Deutschland.