1951 - Der Blick zurück
Die Gründungsjahre des Bundes (ehemaliger) Deutscher Fallschirmjäger e.V.
Ein Rückblick auf das Jahr 1951

Der Deutsche Fallschirmjäger
Ausgabe 02/2021
Artikel aus „Der Deutsche Fallschirmjäger“ 02/2021
Am „Mutterhaus der Fallschirmjäger“ in Altenstadt hat der BDF am 26./27. September 2019 sein 70-jähriges Bestehen gefeiert. Vom 17. bis 19. Oktober 1949 war nach eingehender Untersuchung durch die deutschen und englischen Sicherheitsorgane eine Zusammenkunft ehemaliger Fallschirmjäger in dem Ort Wesel in der Lüneburger Heide westlich Lüneburg genehmigt und durchgeführt worden. Und so ging es dann weiter.
1951, also vor 70 Jahren, gründen sich die „Sektionen“ Schweinfurt, Rheinisch-Bergischer Kreis, Gelsenkirchen-Buer und es treffen sich ehemalige Fallschirmjäger im Allgäu, Bamberg, Berlin, Bielefeld, Bonn, Braunschweig, Bremerhaven, Cuxhaven, Darmstadt, Deutsches Eck, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Emmerich, Eschwege, Flensburg, Frankfurt a. M., Freiburg/ Breisgau, Fritzlar, Fürth, Gifhorn, Göttingen, Hamburg, Hamm, Hanau, Hannover, Harburg, Heidelberg, Herford, Kiel, Köln, Krefeld, Lippstadt, Lübeck, Lüchow, Lüneburg, Marburg, München, Münster, Neumünster, Neuwied, Nienburg, Nürnberg, Offenburg, Oldenburg, Recklinghausen, Rosenheim, Sauer- und Siegerland, Schweinfurt, Soltau und Stuttgart, Trier, Tübingen, Ulm, Verden, Itzehoe, Wiesbaden, Würzburg, Wuppertal, Regensburg und Bergzabern.
Ziel des Zusammenschlusses war es, „frei von politischen und konfessionellen Bindungen einen Kameradenbund mit sozialer und karitativer Zielsetzung zu bilden“, dies mit dem Schwerpunkt der Zusammenführung alter Kameraden, die sich aus dem Auge verloren hatten, und dem Suchdienst nach vermissten und verschollenen Kameraden ihrer Truppenteile.
20. Mai 1951
„Kreta-Treffen“ in Celle mit Kameraden aus Bremen, Braunschweig, Hamburg und Hannover – organisiert vom „Fallschirmjäger-Suchdienst, Sektion Hannover, Kamerad W. Weier“.
In den Sektionen in der Bundesrepublik wurde der Wunsch nach einem erneuten Treffen laut, zumal die Einschränkungen der „Hohen Kommissare“ aufgehoben waren – die neue Bundesregierung war zuständig. Die Braunschweiger Kameraden unter Leitung von H. Kroh, Fr. Stangenberg und Willi Rohrbach boten sich an, das
Treffen vorzubereiten.
26. Juni 1951
Gründung der Kameradschaft Würzburg. Mit dem Suchdienst wurde „der sehr rührige Kamerad R. Müller beauftragt“. Ja - es ist der Kamerad Rudi Müller, unser ehemaliger Leiter des Archivs, der auch 2012 noch seine Aufgabe wahrnimmt und im Jahr 2020 verstarb.
25. Juli 1951
Gründung der Kameradschaft ehem. deutscher Fallschirmjäger in Goslar. Diese Kameradschaft – später „Werner Pissin“, Goslar – bestand bis zum 9. Januar 2009 und übergab bei ihrer Auflösung 2.000 Euro dem Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge. Werner Pissin war KpChef der 6. Kompanie im Sturm-Regiment und Kreta-Springer. Bei dem anschließenden Einsatz an der Newa bei Leningrad überlebte er als einziger Offizier seines Bataillons mit einem Kopfschuss – und war seitdem an den Rollstuhl gebunden.
Enge Verbindung bestand zum Luftwaffenausbildungsregiment der Bundeswehr auf dem Fliegerhorst Goslar.
Der Höhepunkt des Jahres 1951 war das 1. Fallschirmjägertreffen am 28./ 29. Juli in Braunschweig, Schützenhaus, wo sich 6.000 Kameraden zusammenfanden. Es war das größte Kameradentreffen im Bundesgebiet seit 1945, das erste große Wiedersehen nach dem Krieg. Dieses Treffen wurde nun zum Stützpfeiler für den Aufbau des „Bund ehemaliger deutscher Fallschirmjäger“.
Bei diesem Treffen erfolgen erste Absprachen über die Gründung eines Fallschirmjäger-Bundes und über die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift.
Erste Gedanken zum Aufbau dieser neuen Zeitschrift macht sich der Schriftführer Otto Laun. Später stellt er fest: „Wir hatten kein Geld und konnten auch nicht damit rechnen, dass uns jemand etwas geben würde. Wir mussten es selbst schaffen. Der erste Mann, der uns Geld lieh, weil ihm der Geist der Selbsthilfe imponierte, war Berthold Beitz. Mit diesem Geld schufen wir die gedruckte Fallschirmjäger-Zeitung. Die Zeitung sollte uns helfen, Geldmittel für die Hilfsmaßnahmen zu beschaffen.“
Dann kommt die Weisung von General Ramcke: „Gericke bestimmt ab sofort den redaktionellen Inhalt als Herausgeber und Schriftleiter der Zeitschrift „Die grünen Teufel“. Herausgeber Odo Willscher und Schriftleiter Otto Laun entfällt.“
Aber es blieb alles beim Alten – befehlen war nicht mehr. Unterschiedliche Auffassungen um das Mitteilungsblatt der Fallschirmjäger und um einen „Fallschirmjägerverein“ mit Satzung, Paragrafen und Monatsbeiträgen bestimmen die Diskussion.
Programm für das Braunschweiger Treffen (Auszug):
Sonnabend, den 28. 07.1951
Eintreffen der Teilnehmer bis 18.00 Uhr in Braunschweig
13.30 Uhr Beginn der Arbeitstagung für den Hilfsdienst.
Ferienaufenthalte, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.
19.00 Uhr Beginn der Arbeitstagung für den Suchdienst
20.00 Uhr Beginn des Kameradschaftsabends im Saal und Zelt des Schützenhauses Braunschweig. Begrüßung durch
den Leiter der Sektion Braunschweig, Kamerad Willy
Rohrbach.
Sonntag, den 29.07.1951
09.30 Uhr Beginn der Haupttagung des Fallschirmjägertreffens
Eröffnung und Gefallenenehrung
Berichterstattung und Zielsetzung
Begrüßung des Generals Ramcke
„Ramcke spricht!“
12.00 Uhr Gemeinsames Mittagessen
15.00 Uhr Tagung der Sektionsleiter, Organisationsfragen und Beschlüsse
Tagung der Fallschirmärzte, Vorschläge: Durchführung
eines Gesundheitsdienstes
16.00 Uhr Tagung der Pressereferenten
24.00 Uhr Ende der Tagung und des Treffens
Besondere Veranstaltungen:
Suchdienstausstellung, Bilderausstellung, Ausstellung der Zeitung „Die grünen Teufel“.
Zusatz: Kameraden, bedenken Sie alle, dass auf das Treffen der Fallschirmjäger in Braunschweig ganz Deutschland sieht, unsere Disziplin und unsere Kameradschaft müssen vorbildlich sein. Dazu ist jeder verpflichtet.

Plakat und Teilnehmerkarte
Erstes Fallschirmjägertreffen 28.-29. Juli 1951
Bild: DDF 02/2021
Auszug aus dem „Programmheft für die Tagung am 28./29. Juli 1951“:
„Ein Wort sei noch über politische Ansichten und Stellungnahmen erlaubt. Der Einzelne soll und muss sich mit politischen Fragen auseinandersetzen. In unserem Rahmen jedoch, den wir hier heute ausfüllen, will keiner, zumindest die Masse nicht etwas von irgendeiner Stellungnahme zu aktuellen politischen Themen wissen. Wer sich auf diesem Gebiet betätigen will, soll das in einer politischen Partei tun, aber nicht in unserem Kameradenkreis. Eine Bindung an irgendeine politische Gruppe lehnen wir deshalb ab. In unseren Reihen sollen alle stehen, von der linken bis zur rechten Seite, und nichts anderes soll die Aufgabe sein, als der Aufbau eines Sozialwerkes.“
21. August 1951
Die Nr. 1 der „Mitteilungen der Sektion Berlin“. Name und Sitz: „Vermisstensuch- und Kameradenhilfsdienst der ehem. Fallschirmjäger, Sektion Berlin, Geschäftsstelle Berlin – Wilmersdorf, Detmolder Str. 53“.
Die Sektion Berlin ist dem Vermisstensuch- und Kameradenhilfsdienst der ehem. FschJg in der Bundesrepublik angeschlossen. Laut Kontrollratsgesetz Nr. 8 ist die Sektion verpflichtet, als eingetragener Verein (e. V.) zu arbeiten.
Odo Willscher, der Herausgeber der FschJg-Zeitschrift, übernimmt zusätzlich die Schriftleitung des Mitteilungsblattes. Impressum: „Die grünen Teufel“, Mitteilungsblatt der deutschen Fallschirmjäger, Herausgeber und Schriftleitung Odo Willscher. Erscheinungsweise einmal im Monat, Preis eine DM je Heft.
Hinweise zu einer Satzung kamen von vielen Kameradschaften: „Unter grundsätzlicher Wahrung einer unpolitischen und unparteilichen Haltung widersetzen wir uns jedem Versuch, uns und unsere Organisation für irgendwelche politischen oder militärischen Ziele zu missbrauchen. In diesem Sinne können wir einen geplanten oder bereits durchgeführten Anschluss an den Deutschen Soldatenbund nicht billigen“, Sektion Darmstadt und Südhessen, Mössinger.
18. November 1951
Die Landeskameradschaft Berlin veranstaltet die Suchdienstausstellung des Fallschirmjägerkameradenwerkes. Am Kameradschaftsabend nahmen ca. 800 Personen teil. „Besonders gefreut haben wir uns über das zahlreiche Erscheinen der Kameraden aus der Ostzone.“ (Sektionsleiter Rudi Donth).
23. November 1951
Gründungsversammlung des „Bundes ehemaliger deutscher Fallschirmjäger –Fallschirmjäger-Hilfswerk e.V.“. Ort: Wartesaal 2. Klasse, Hamburg Hauptbahnhof. Der vorläufige Bundesvorstand wird von Prof. Dr. med. Herbert Luckner, Hamburg, und als „vorläufigem 2. Bundesleiter“ Kamerad W. Heins, Hamburg-Altona, geführt und „von Amtswegen“ eingesetzt. Die Erstausgabe des Mitteilungsblattes “Der Deutsche Fallschirmjäger“ (DDF) soll am 15.12.1951 erscheinen, aber der DDF erscheint bereits im November 1951 erstmalig im Keller-Verlag. Jedem der Mitteilungsblätter wird eine Suchliste eingefügt oder beigelegt. Die vorläufige Bundesleitung machte sich an die Arbeit. Mittel standen nicht bereit.
Zu Schreibhilfen wurden die Ehefrauen ernannt. Die Geldmittel kamen im Wesentlichen aus der eigenen Tasche.
General a.D. Ramcke, Generaloberst a. D. Student und der ehem. Oberjäger Blum, die drei Vertreter des „Fallschirmjäger Hilfs- und Suchdienstes“, verlassen das Präsidium des „Verbandes deutscher Soldaten (VdS)“, nachdem sich die Mehrheit der Sektionen im BDF gegen einen Anschluss an den VdS ausgesprochen hat.
Dezember 1951
In der Kameradschaft Kaufbeuren, der auch damals bereits Kamerad Hermann Völck*, angehört, gibt es erste Gedanken zu einem Berg-Erholungsheim der Fallschirmjäger.
Im Jahr 1951 wurden über 20.000 Mitteilungsblätter „Die grünen Teufel“ kostenlos verschickt, an Postkosten rund 2.000 DM aufgebracht und an den Suchdienst über 1.000 DM gezahlt.
Spendenaktion der Kameradschaft Tübingen zum Weihnachtsfest:
1951: 26 Pakete, 4 an gefangene Kameraden in Frankreich und Landsberg, 1 an Feldmarschall Kesselring, 3 an Schwerkriegsbeschädigte, 3 an Angehörige in der Ostzone und 15 an Witwen, Waisen und Eltern vermisster oder gefallener Kameraden. In Berlin wurden über 120 Kinder gefallener oder vermisster Kameraden zu einer Weihnachtsfeier eingeladen.

Der Deutsche Fallschirmjäger
Ausgabe 01, Dezember 1951
Bild: DDF 02/2021